Bei der „Emetophobie“ handelt es sich um eine übermäßig ausgeprägte, irrationale Angst vor dem Erbrechen, die von Außenstehenden oft als "übertrieben" erlebt wird. Sie äußert sich in:

 

  • Panik davor, sich selbst zu übergeben, unabhängig davon, ob alleine oder in der Anwesenheit anderer.
  • Panik davor, miterleben zu müssen wie andere Personen und/oder Tiere sich übergeben.
  • Panik vor/bei jeglicher Konfrontation mit dem Thema (z.B. durch Medien, Gespräche, Erbrochenes, eigene Gedanken).

 

Nicht alle drei Dimensionen müssen gleichermaßen vorliegen, um von Emetophobie zu sprechen.

Im Gegensatz zu Nicht-Phobikern, verspürt der/die PhobikerIn allerdings nicht nur normalen Ekel oder Furcht, sondern erlebt das Erbrechen als existentiell bedrohlich. Dies bringt auch eine physische "Alarmhaltung" des Körpers mit sich, die man allgemein z.B. auch aus starken Schreckmomenten kennt. Die Konfrontation mit dem Thema geht oft einher mit Begleitsymptomen wie Herzrasen, Atembeschwerden, Beklemmungsgefühlen, Verwirrtheit/Orientierungslosigkeit, Schluckbeschwerden, Schweißausbrüchen, Schwindel oder Übelkeit. Häufig werden diese Symptome gar durch vollkommen unbedenkliche Körpersignale ausgelöst wie z.B. Verdauungsgeräuschen, Hungergefühl, Husten oder Räuspern bei sich selbst oder anderen. Auch die ständig präsente Erwartungshaltung, mit dem Thema konfrontiert zu werden, kann zum Auslöser solcher Attacken führen.

In der Regel ist den Betroffenen rational klar, dass ihre Angst vorm Erbrechen irrational und unangemessen ist, dennoch ist es ihnen nicht möglich, Herr ihrer Ängste zu werden. Oft können Betroffene auch nicht benennen, was genau sie am Thema Erbrechen so ängstigt.

Eins der Hauptprobleme für den Emetophobiker ist, dass dieser aufgrund seiner ständigen Erwartung(sangst) mit dem Erbrechen konfrontiert zu werden, häufig an einer durch die Angst provozierten Übelkeit leidet. Im Extremfall kann ist diese 24 Stunden am Tag vorhanden und kann nicht von physisch bedingter Übelkeit unterschieden werden. Auch die für Phobien übliche Angst vor einer Angstattacke selbst (sog. Phobophobie, Erwartungsangst), wird schnell zum Teufelskreis für den Angstgeplagten. So kann bereits die Angst davor, eine Panikattacke zu erleiden, selbst eine solche auslösen.

 

Wie kann die Angst vorm Erbrechen einen im Alltag einschränken?

Nicht selten kommt es zum Aufbau eines komplexen Vermeidungsverhaltens, um kritischen Zuständen („Krisen“, Angstattacken) aus dem Weg zu gehen. In diesem Zusammenhang entwickeln betroffene auch Verhaltensweisen, die (scheinbar) Sicherheit bieten und die eigenen Emotionen beherrschbar machen. Durch das zwanghafte Meiden angstbelasteter Situationen, schränkt sich der/die Betroffene nach und nach immer mehr im Alltag ein. Im Extremfall wird das Haus nicht mehr verlassen (die Angst bleibt aber dennoch auch dann bestehen!).

 

Beispielsweise indem …

  • Besuche von Veranstaltungen, auf denen der Phobiker einer erhöhten Gefahr ausgesetzt ist, auf Betrunkene zu stoßen oder das Gefühl hat, den Ort nicht spontan und unverzüglich verlassen zu können, umgangen werden (z.B. Jahrmärkte, Betriebsfeiern oder Parties/ Discos).
  • die Nutzung (öffentlicher) Verkehrsmittel gemieden wird aus Angst vor Reiseübelkeit bei sich oder Mitreisenden bzw. aus Sorge über Ansteckung bei anderen.
  • aus Angst vor Lebensmittelvergiftungen vermieden wird, auswärts zu essen. Häufig erfolgt auch ein kompletter Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Eier oder Fleisch).
  • Fehlzeiten in der Schule oder auf der Arbeit in Kauf genommen werden, wenn dort Magen-Darm-Viren kursieren.
  • Schwangere gemieden werden, da diese sich häufiger übergeben. Nahezu alle Emetophobikerinnen fürchten sich auch vor einer eigenen Schwangerschaft (Morgenübelkeit).
  • Filme nicht angeschaut werden, weil die Angst besteht, mit einschlägigen Szenen konfrontiert zu werden, in denen sich jemand übergibt, oder im Kino gefangen zu sein, wenn ihm/ihr selbst übel wird.
  • Nahrungsmittel penibel auf ihr Haltbarkeitsdatum überprüft werden, um nicht versehentlich etwas Verdorbenes zu essen.
  • in Räumen zwanghaft nach Fluchtwegen, Mülleimern oder Waschbecken gesucht wird, in die er/sie sich im Notfall übergeben kann.
  • Krankenhäuser, Arztpraxen usw. nicht aufgesucht werden, um dort nicht mit Keimen oder Viren in Kontakt zu kommen oder damit konfrontiert zu werden, wie sich jemand erbricht.
  • prophylaktisch Anti-Brechmittel genommen werden, um Übelkeit zu beseitigen oder sie vorsorglich zu unterdrücken; hieraus entstehen oftmals psychische und physische Abhängigkeiten mit teilweise schwerwiegenden Folgen.
  • medizinisch notwendige Medikamente und/oder ärztliche Untersuchungen aus Angst vorm Erbrechen als Begleiterscheinung abgelehnt oder abgesetzt werden.
  • eine Menge zwanghafter Verhaltensweisen entwickelt werden, die das Risiko, sich z. B. mit Magen-Darm-relevanten Keimen zu infizieren mindern sollen (z.B. häufiges Händewaschen, Desinfizieren von Gegenständen).