Mein Neuanfang

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13 Jun 2017 16:51 - 13 Jun 2017 16:56 #1 von Juschbe
Juschbe erstellte das Thema Mein Neuanfang
Hallo ihr,

ich bin 23 und seit vielen Jahren plagt mich die Angst vor dem Erbrechen. Angefangen hat alles bereits in meiner Kindheit. Mein jüngerer Bruder hat ständig Magen-Darm und immer wenn wir in den Urlaub gefahren sind musste er sich mehrfach übergeben. Als ich mit 12 das erste mal bei einer Freundin übernachtet habe, bekam ich am nächsten Morgen Magen-Darm, ein beschämendes Ereignis, was ich bis heute nicht vergessen kann und weswegen ich heute noch wenn ich mal aufstoßen muss direkt vom Schlimmsten ausgehe. Nach dem Abi bin ich nach Berlin gezogen, direkt mit meinem Freund zusammen, und habe letzten Herbst das Bachelorstudium abgeschlossen. Im Jahr meines Umzuges entwickelte ich eine extreme Form der Laktose-Intoleranz. Es hat fast ein ganzes Jahr gedauert bis es diagnostiziert wurde, also aß ich fleißig weiter Milchprodukte. Und ihr könnt es euch schon denken, mir ging es ziemlich oft schlecht, mir war übel, ich hatte Magenschmerzen und Verdauungsstörungen. Nach der Ernährungsumstellung wurde dann zunächst alles etwas besser, aber dass es nicht ganz weg ging schob ich auf die Umstellung und die lange Reizung des Magens mit Milch trotz Unverträglichkeit. Nach etwa einem Jahr wurden die Magenschmerzen wieder schlimmer, ich machte eine Magenspiegelung, ließ mich abchecken, aber ohne Ergebnis. Ich hatte nichts. Diese Zeit war sehr schwer, ich stritt mich heftig mit meiner Mutter, die einfach kein Verständnis dafür hatte. Es könnte mir ja nicht schlecht gehen, denn ich hatte ja nichts. Ich setzte dann die Pille ab und alles wurde langsam wieder besser. Seit ein paar Monaten ist die Problematik mit dem Unwohlsein im Magen aber zurück. Mir ist oft übel, mich plagt ein Engegefühl im Hals, ich höre auf zu schlucken, meine Hände und Füße kribbeln, mir ist oft schwindelig, ich habe Kopfschmerzen, und ein Gefühl von Nervosität in mir. Mein Leben ist relativ stressig, deshalb dachte ich, dass es eventuell einfach der Stress ist, aber mein Leben war immer sehr stressig, und ich fühle mich nicht gestresst. Also fing ich an mir meine Beschwerden zu notieren. Mit fiel auf, dass ich ständig diesen Fluchtgedanken in mir trage, nicht gerne in großen Menschenmengen bin, immer am Gang sitzen will falls mir übel wird, wenn es einem schlecht geht geht es mir auch direkt nicht mehr gut, ich habe tierische Angst mich bei Menschen mit MD anzustecken, habe Angst wenn die Ubahn im Tunnel stehen bleibt, ich Schwänze Univorlesungen, sage Verabredungen ab, treffe mich meistens mit Freunden zu Hause, verpasse Familienessen aus Angst, nehme immer Kaugummis und Wasser mit, gehe Betrunkenen aus dem Weg, habe Angst vor Reisetagen, halte mir Augen und Ohren zu wenn mir irgendwer begegnet ob real oder in den Medien der sich übergibt,... ja ich nehme sogar manchmal Brechtüten in der Handtasche mit. Seit dem oben ganannten MD Vorfall, habe ich mich nur vereinzelt durch Schmerzen übergeben müssen, und auch dabei ist das letzte mal sicher 4 Jahre her. Die Angst davor sich übergeben zu müssen ist also völlig unbegründet. Meine größte Angst liegt wahrscheinlich in der Unkontrollierbarkeit. Da Die Sympthome meist auftreten wenn ich unterwegs bin oder irgendwohin muss und das beeinflusst meinen Alltag, Freundschaften, meine Partnerschaft und mein generelles Empfinden von Zufriedenheit mittlerweile sehr. Lange Zeit spielte die Angst keine Rolle, sie war da, aber kein "Thema". Als es jetzt aber zu einem täglichen Gefühl wurde fing ich an zu recherchieren und schließlich stieß ich ganz unverhofft auf Emetophobie. Ich bin sehr erleichtert, dass es offensichtlich vielen so geht, doch weiß ich nicht was ich jetzt tun soll. Ich bin eigentlich ein sehr lebensfroher Mensch und würde das gerne auch wieder leben können. Diese Angst und das damit verbundene schnellstmöglich nach Hause wollen hindern mich aber daran.
Ich bin mir nicht mal sicher, ob es diese Krankheit ist. Habe aber Angst vor einer Therapie oder dem Gespräch mit Vertrauten.

Habt ihr Tipps?
Letzte Änderung: 13 Jun 2017 16:56 von Juschbe.

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13 Jun 2017 22:04 #2 von Katja
Katja antwortete auf das Thema: Mein Neuanfang
Hallo :) also das klingt alles sehr stark danach, dass du an emetophobie leidest.

Ich leide auch seit 4 Jahren daran.
Meine eltern Haben auch wenig Verständnis und deshalb gab es oft Auseinandersetzungen.

Mir viel es immer schwer darüber zu sprechen. Ich denke trotzdem es wäre gut, wenn man darüber spricht und sich austauscht.

Mir helfen in schlimmen Momente eigentlich gar nicht so,viele Dinge
Ich bin dann unglaublich gern draußen, versuche mich mit dem Handy abzulenken, mich auf meinen atem zu konzentrieren,...

Lg Katja

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14 Jun 2017 17:08 #3 von Amyee
Amyee antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Hallo :),

auch für mich hört sich das nach der Emetophobie an.
Wieso hast du denn Angst vor einer Therapie bzw. was macht dir da Angst? Es kann ein Stück "Heilung" bedeuten, wenn du mit jemanden sprichst. Du bekommst eventuell wertvolle Impulse, Tips die du im Alltag einsetzen kannst.
Gerade weil du ein lebensfroher Mensch bist, solltest du auch dafür kämpfen. Nutze jede Chance die du bekommst und vergiss nicht: Wir haben nur dieses eine Leben!

Bei mir ist es aktuell so, das ich dieser Angst keinen Raum gebe und alles das mache, was ich möchte. Und natürlich muss auch ich mich in ganz vielen Situationen überwinden aber wenn man es geschafft hat , dann wird es ein Stück leichter.

Liebe Grüße


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14 Jun 2017 18:27 #4 von Juschbe
Juschbe antwortete auf das Thema: Mein Neuanfang
Danke an euch zwei für die Antworten!

Zunächst an Katja:
Es tut gut zu wissen, dass es anderen auch schwer fällt darüber zu sprechen. Aber ich denke auch, dass es notwendig ist. Seit ich gestern herausgefunden hab, dass es diese Krankheit gibt, schwirrt das ständig in meinem Kopf und ich weiß nicht was ich tun soll. Mit Vertrauten sprechen will ich versuchen, aber es fällt sehr schwer sich auf einmal als Person mit einer psychischen Schwäche zu "präsentieren". Die Angst davor ist unbegründet, aber die Hemmungen kann ich irgendwie nicht sofort ablegen.
eilen Dank für deine Tipps, ich werde wohl noch ein bisschen brauchen um für mich den richtigen Weg zu finden. ;)

Dann an Amyee:
Eine Therapie bereitet mir Sorge aus unterschiedlichen Gründen: das Auseinandersetzen mit der Angst und dadurch kurzzeitige Verschlimmerung, vor allem das Überwinden der Angst durch Konfrontation, das Eingestehen, dass man ein psychisches Problem hat,...aber ich weiß selber, dass das Quatsch ist und eine Therapie möglicherweise sinnvoll ist. Ich habe den Dummen Anspruch an mich selber immer alles irgendwie zu schaffen und würde auch das jetzt gern alleine meistern.
Ich versuche auch der Angst keinen Raum zu geben, aber seit ich gestern herausgefunden hab, dass ich nicht bescheuert bin, ist verständlicherweise gerade ganz viel Raum dafür. Was machst du um dich abzulenken, vor allem auch in Paniksituationen?

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14 Jun 2017 19:04 #5 von Amyee
Amyee antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Ja aber auch das kann für dich ein Anfang sein...zu wissen das es eine "Krankheit" ist

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14 Jun 2017 19:05 #6 von Amyee
Amyee antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Na toll...meine komplette Nachricht wurde nicht gesendet

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14 Jun 2017 19:05 #7 von Amyee
Amyee antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Ich hatte dir ganz viel geschrieben :(


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14 Jun 2017 19:06 #8 von Amyee
Amyee antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Na dann noch einmal...


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14 Jun 2017 19:08 #9 von Amyee
Amyee antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Wenn ich merke mir wird komisch / unwohl dann tut Bewegung gut und wenn es nur das Laufen von einem Raum zum anderen ist. Kalte frische Luft tut ebenfalls gut.
Wenn ich eine Panikattacke bekomme kann ich die nicht mehr aufhalten. Ich hatte aber meine letzte vor über einem Jahr. Ich musste es dann zulassen da es mit Herzrasen beginnt.


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14 Jun 2017 19:11 #10 von Amyee
Amyee antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Was machst du Beruflich und inwieweit schränkt dich da deine Angst ein?


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15 Jun 2017 14:46 #11 von Juschbe
Juschbe antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Der Klassiker ... die Technik will einfach nie so wie man selber :D

Ich studiere noch im Master und mache nebenbei einen studiumsbezogenen Bürojob. Dabei schränkt es mich schon ziemlich ein. Oft gehe ich nicht zu Vorlesungen oder gehe früher nach Hause, weil sich die Angst wieder eingeschlichen hat. Ich vermeide Vorlesungen morgens früh, um das Risiko von Unwohlsein durch Müdigkeit zu entkommen. Bei der Arbeit versuche ich nie länger als 5h pro Tag zu machen um es an schlimmen Tagen auszuhalten.

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16 Jun 2017 07:06 #12 von Verena
Verena antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Du könntest echt ich sein, genauso geht es mir auch!
Seit 4 Wochen ist es wieder extrem bei mir und das macht mich fertig da ich merke wie um mich rum langsam alles "zerbricht".
Habe mich allerdings für eine Therapie entschieden, beginnt aber leider erst in 7 Wochen.

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16 Jun 2017 11:32 #13 von Juschbe
Juschbe antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Hallo Verena,
Danke für deine Antwort. :)
Wie gehst du im Alltag mit der Krankheit um (abgesehen von der Therapie)? Und was für eine Therapie machst du?

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16 Jun 2017 11:47 #14 von Verena
Verena antwortete auf das Thema: Re:Mein Neuanfang
Also momentan kann ich damit gar nicht umgehen, ich Vermeide eigentlich alle Aktivitäten, diesmal so schlimm das ich krankgeschrieben bin, so heftig war es noch nie.
Alles ist ein Kampf ob einkaufen oder zur Post! Und alles was ich will ist am Montag wieder arbeiten zu gehen um eine normale Struktur wieder reinzubringen, aber ich habe so Angst davor, dabei kann mir ja gar nichts passieren!
Ich werde eine Verhaltenstherapie machen, aber leider dauert es ja noch eine Weile!

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20 Jul 2017 13:58 #15 von frozen@me
frozen@me antwortete auf das Thema: Mein Neuanfang
Hallo so geht es mir auch aber ich kann dir nur raten Hilfe zu suchen also eine Psychotherapie habe es auch lange rausgezögert aber nun in Angriff genommen weil es sonst nur schlimmer wird.

Liebe Grüße

Frozen

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