Der Versuch einer Kurzfassung ;-) meiner Geschichte bis Heute

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27 Apr 2017 23:12 #1 von Feldweg
Feldweg erstellte das Thema Der Versuch einer Kurzfassung ;-) meiner Geschichte bis Heute
Hallo zusammen,
Die Emetophobie begleitet mich seit dem 4. Lebensjahr bewusst. Die hier beängnstigende Zeitspanne war zwischen dem 12. - ca 35. Lebensjahr - also fast ein halbes Leben.
Ich bin in einem totalitären (politischen UND privatem, familiären System) aufgewachsen. Habe sehr früh erfahren, dass jedes offensiv ausgedrückte Gefühl, vor allem Aggresion und Wut, zwangsläufig Strafe und Verachtung zur Folge hat. Ab dem 8. Lebensjahr habe ich die schwere Leukämieerkrankung eines sehr nahe stehenden Menschen miterlebt, der daran schließlich auch verstorben ist.
Meine Mutter, untherapierte Borderlinerin, führte ein hartes Regiment, dem ich mich erst mit meinem Auszug zu Hause entziehen konnte. Da war ich 18 - und hier begann vorsichtig mein EIGENES Leben. Mit 18/19 dann ein schwerer gewaltvoller Übergriff, dem ich nur um Haaresbreite lebend entkommen bin.
Mit 20 Jahren der erste Impuls zu kämpfen, mein Leben SELBST in die Hand zu nehmen - koste es, was es wolle. Und es KOSTETE!!!!!! Meine Nerven, meinen Stolz, alle Kraft die mir zur Verfügung stand. Ich suchte und fand einen Therapeuten, der mich in Intervallen über fast 15 Jahren begleitete - sowohl in Gruppenarbeit - als auch in Einzelinterventionen. Ich lernte über die Bonding - und Einstellarbeit erstmals, einen echten Zugang zu meinen Gefühlen, zu meinem SELBST. Harter Tobak! Später, viel später die genaue betrachtung der Emetophobie, die inzwischen Außmaße angenommen hatte, dass ich zeitweise suizidal war - eben wegen der Panik vorm Erbrechen - und allem, was damit zusammen hängt.

Ich lernte, dass es eben nicht um das Erbrechen geht - sondern die Phobie wie eine Wand vor dem EIGENTLICHEN Problem stand. Nämlich : der ANNAHME meiner selbst - genauso, wie ich war.
Und das ist bis heute mein Job: die ANNAHME, dessen, was ist - erstmal völlig unabhängig davon, ob es mir gefällt oder nicht.
Als DAS gelang, konnte es weiter gehen.

Beziehung wurde möglich - ein Gottesgeschenk! - Inzwischen lebe ich seit 9 Jahren mit meinem Partner zusammen, den ich in Kürze heiraten werde ( unglaublich - wo ich doch eigentlich Nonne werden wollte - ganz im Ernst).
Ich bin inzwischen in der Lage, meine Grenzen nicht nur zu definieren - sondern für diese auch einzutreten.
Und genau in dem Maße, wie ich "gut mit mir" bin - verliert die Emetophobie am Macht - inzwischen beinahe direkt zu beobachten.

Sorge ich nicht gut für mich, gehe ich in die Anklage, bleibe ich in der Wut stecken - oder opfere ich mich den Dämonen meiner Vergangenheit - zack - ist die EMO wieder da. Sie ist mir inzwischen zum Freund geworden: denn: - immer wenn die Angst anklopft, weiß ich: STOP ! LANGSAM! - "ist das, was ich hier gerade tue, denke, fühle, - wirklich der Situation angemessen - oder verknüpfe ich längst Vergangenes mit dem Hier und Jetzt! - Phuuuu das ist echt ein Knochenjob. Einmal enttarnt - verschwindet die Brechangst genauso schnell, wie sie sich eingeschlichen hat.

Mein Partner ist 2016 an Krebs erkrankt. Der Supergau schlechthin. Wir haben es durchgestanden. Die Angst, die Chemo, das Warten...... - und es war kein Problem für mich - zu keiner Zeit!. Er lebt jetzt mit einem Stoma (künstlicher Darmausgang) - auch das nehmen wir beide locker und als das Selbstverständlichste der Welt. ER Lebt, ist metastasenfrei :-) beginnt bald wieder zu arbeiten - und ich bin sooooo stolz auf ihn, meinen Kämpfer. UND auf mich :-) denn es war weder ein Problem, die Kotzeimer zu schleppen - noch, Exkremente zu beseitigen etc.

Und dann die Schockdiagnose: es wird kein Baby geben :-( Mein Herzenswunsch - immer wieder wegen der EMO verschoben - VORBEI. Die Strahlen - und Chemotherapien haben ihm den Rest gegeben.

So ist es. Wir hadern nicht, beide nicht. Wir sind dankbar und froh, diese Zeit bisher so gut überstanden zu haben.
Und WENN es ein Baby geben "soll" - so werden wir eins haben - ich weiß es einfach!!!!!!
Wir sind uns einig, dass wir diesbezüglich NICHT nachhelfen (lassen) werden


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